Wie wir bei Lovely Day Produkte formulieren
Bei Lovely Day (LD) arbeiten wir mit einem klar strukturierten und hautphysiologisch durchdachten Formulierungsansatz. Unsere Produkte sollen funktional, stabil und sensorisch überzeugend sein. Dabei legen wir großen Wert auf Natürlichkeit, Hautverträglichkeit und ein ausgewogenes Hautgefühl.
Emulsionstyp
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Öl-in-Wasser-Emulsionen und Wasser-in-Öl-Emulsionen. Öl-in-Wasser-Emulsionen sind klassische Cremes, während Wasser-in-Öl-Emulsionen sehr feste, reichhaltige Balme ergeben. Bei Lovely Day formulieren wir überwiegend Öl-in-Wasser-Emulsionen. Das bedeutet, dass die Wasserphase überwiegt und Öle, Buttern oder Wachse eingearbeitet werden.
Typischerweise liegt das Verhältnis bei etwa 30 bis 40 Prozent Ölphase und 60 bis 70 Prozent Wasserphase. Je nachdem, wie reichhaltig oder viskos ein Produkt sein soll und wie es verpackt wird, kann sich dieses Verhältnis auch zwischen etwa 20 zu 80 und 50 zu 50 bewegen. Entscheidend ist dabei immer, dass das Emulgatorensystem diese Spannbreite zuverlässig stabilisieren kann. Alles, was kein Öl, keine Butter oder kein Wachs ist, gehört zur Wasserphase. Emulgatoren zählen zur Ölphase.
Emulgatorensystem
Emulgatoren verbinden Fett und Wasser miteinander. Sie besitzen eine fettliebende und eine wasserliebende Komponente und fungieren als Vermittler zwischen beiden Phasen. Ihre Auswahl ist erfolgsentscheidend, da sie nicht nur die Stabilität, sondern vor allem das Hautgefühl und die Verarbeitung beeinflussen.
Zu Beginn wurden viele unterschiedliche Emulgatoren getestet, um herauszufinden, welche sich in der Praxis bewähren. Besonders bevorzugt werden Systeme, die sich mit der sogenannten One-Pot-Methode verarbeiten lassen. Dabei wird der Emulgator in die Ölphase gegeben und anschließend die Wasserphase hinzugefügt oder umgekehrt. Diese Methode ist stabiler und weniger fehleranfällig als Verfahren, bei denen Phasen schluckweise eingearbeitet werden müssen.
Als Koemulgator verwenden wir häufig Dermofeel GSC. Er ist palmölfrei, sehr hautneutral, unterstützt eine schöne weiße Cremestruktur und lässt sich unkompliziert verarbeiten. Als Hauptemulgator wurde zu Beginn oft Xyliance eingesetzt, da er ein samtiges Hautgefühl erzeugt, stabile Cremes bildet und einfach in der Anwendung ist. Da Xyliance jedoch palmölbasiert ist, wurde nach Alternativen gesucht.
Aktuell ist die Kombination aus Olivaten, Phospholipiden und Dermofeel GSC besonders attraktiv. Phospholipide unterstützen die Physiologie der Haut, entsprechen körpereigenen Strukturen und bilden Doppelmembranstrukturen ähnlich denen der Haut. Dadurch sind sie nicht nur Emulgatoren, sondern gleichzeitig wirkstarke Bestandteile der Formulierung.
Ergänzend wird jeder Creme ein kleiner Anteil Gelbildner wie Xanthan, Siligel oder Amigum hinzugefügt. Diese Stoffe stabilisieren die Emulsion zusätzlich, insbesondere bei Temperaturschwankungen. Sie verhindern das Absetzen von Wasser im Tiegel und unterstützen die Bindung von Wirkstoffen in der Abkühlphase. Eine zu hohe Dosierung kann jedoch zu einem krümeligen Hautgefühl führen, weshalb hier präzise gearbeitet wird.
Ölauswahl und Spreitkaskade
Ein zentraler Bestandteil der Formulierung ist die sogenannte Spreitkaskade. Öle unterscheiden sich in ihrer Spreitfähigkeit, also darin, wie schnell sie sich auf der Haut verteilen und welches Hautgefühl sie hinterlassen. Schnell spreitende Öle wie Squalan, Kokos, Babassu oder bestimmte Esteröle erzeugen ein leichtes, silikonartiges Gefühl und verteilen sich sofort. Mittel spreitende Öle wie Mandel-, Aprikosen-, Traubenkern- oder Pflaumenöl vermitteln ein ausgewogen pflegendes Gefühl. Langsam spreitende Komponenten wie Buttern, Wachse oder Fettalkohole bleiben länger auf der Haut und erzeugen ein schützendes, reichhaltiges Finish.
Eine ausgewogene Kombination verhindert sogenannte Spreitlücken. Fehlt eine dieser Gruppen oder ist sie falsch dosiert, kann die Creme beim Auftragen stoppen, kleben oder ihre Haptik abrupt verändern. Besonders vielseitig einsetzbar sind mittelspreitende Öle, da sie sensorisch stabilisierend wirken. Je nach Produktziel werden die Anteile angepasst. Eine leichte Emulsion im Spender enthält überwiegend schnell- und mittelspreitende Öle, während eine festere, schützende Creme zusätzlich Buttern oder Wachse integriert.
Neben der Spreitfähigkeit spielen Farbe, Geruch, Marketingaspekte und die spezifische Hautwirkung eine Rolle. Ohne Duftstoffe muss der Eigengeruch der Öle berücksichtigt werden. Manche Öle wie Nachtkerze besitzen einen starken Eigengeruch, während andere wie Pflaume ein angenehm marzipanartiges Aroma haben. Farbintensive Öle beeinflussen ebenfalls das Endprodukt. Darüber hinaus werden Nachhaltigkeitsaspekte wie Upcycling oder lokale Rohstoffe in die Auswahl einbezogen.
Je nach Hauttyp eignen sich unterschiedliche Öle besonders gut. Für unreine Haut kommen beispielsweise Traubenkern-, Argan-, Nachtkerzen- oder Hanföl infrage. Reife oder trockene Haut profitiert von Arganöl, Hagebuttenöl oder Sheabutter. Mandelöl, Aprikosenkernöl und Squalan sind für nahezu alle Hauttypen geeignet.
Wirkstofföle
In der Ölphase wird zwischen Basisölen und Wirkstoffölen unterschieden. Wirkstofföle enthalten einen hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren und wirken stark zellaktivierend und entzündungshemmend. Aufgrund ihrer Intensität sollten sie jedoch niedriger dosiert werden, da eine Überdosierung die Haut reizen kann. Die Balance ist entscheidend, denn mehr Wirkstoff bedeutet nicht automatisch bessere Wirkung. Die Überzeugung, ein Produkt mit 100% Wirkstofföl wäre besser oder wertvoller für dich als 20% Wirkstofföl, ist so nicht richtig.
Wasserphase und Konservierungssystem
Zur Wasserphase zählen Wasser, Hydrolate, wasserlösliche Pflanzenextrakte, Wirkstoffe und das Konservierungssystem. Die Entwicklung eines stabilen, naturkonformen Konservierungssystems war einer der anspruchsvollsten Schritte. Unsere Formulierungen kommen ohne konventionelle Stoffe wie Pentylene Glycol, Alkohol oder Phenoxyethanol aus. Glykole wie Pentylene oder Butylene Glycol oder Alkohol finden sich besonders in Naturkosmetika oft bereits and zweiter oder dritter Stelle.
Was heißt, die Konzentration liegt oft bei mindestens bereits 10-15 %. Diese Stoffe geben nun also schon maßgeblich das Gefühl der Formulierung vor und rauben anderen Inhaltsstoffe den Platz. Wer auf besagte Stoffe mit Unverträglichkeit reagiert hat Pech gehabt, oft arbeiten Marken nicht mit Alternativen sondern haben Gerüstformulierungen aus eben diesen Inhaltsstoffen. Man könnte sagen, der Markt macht es sich leicht, setzt auf jahrzehntelang bewährtes, auch wenn es vielleicht nicht ideal ist. Marken fokussieren sich dann primär auf ihr Marketing und vertreiben ihre absoluten Basic Formulierungen anstatt in wirkliche Innovation zu investieren.
Stattdessen haben wir jahrelang an einem neuen Ansatz gearbeitet.
Unsere Strategie zur Konservierung ist komplexer, gleichwohl fragiler, was genaues Arbeiten, Planen und Vorsicht voraussetzt.
So arbeiten wir zum Beispiel vorzugsweise in einem sauren Milieu, das das Wachstum vieler Mikroorganismen bereits hemmt. Um das saure Mileu zu erhalten, setzen wir auf Säuren, die das Mileu langsam und konstant sauer halten, anstatt Säuren die das Milieu aprupt herabsetzen.
Ein erhöhter Glycerinanteil reduziert zusätzlich die Wasseraktivität und erschwert so die Keimvermehrung.
Wir verzichten bewusst auf botanische Extrakte und Hydrolate In Konzentrationen, die Haltbarkeitskritisch werden können.
Das Konservierungssystem basiert auf Anissäure, Levulinsäure und einem Lactobacillus-Ferment. Die Stabilität wurde in Konservierungsbelastungstests überprüft und mit sehr guten Ergebnissen bestätigt.
Fazit
Unsere Formulierungsphilosophie vereint chemisches Know-how, hautphysiologisches Verständnis und sensorisches Feingefühl. Jede Emulsion entsteht aus dem bewussten Zusammenspiel von Emulgatorensystem, Spreitkaskade, Wirkstoffbalance und einem durchdachten Konservierungskonzept. Formulieren bedeutet für uns, Wissenschaft und Gefühl in Einklang zu bringen.